Die Architektur des Kant-Museums

Museumsinnenhof, Nordseite. Foto: J. Patrick Arbeiter

Fast 80 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik fehlte noch immer eine museale Würdigung von Immanuel Kant, immerhin einer der Väter des deutschen Grundgesetzes und der wichtigste deutsche Aufklärers. Nachdem das Ostpreußische Landesmuseum wichtige Sammlungen zu Kant übernommen hatte, entschieden Bund und Land Niedersachsen, das Lüneburger Museum um einen Anbau zu erweitern, welcher die erste Dauerausstellung zu Kant zeigen sollte.

Nach Machbarkeitsstudien, Voranfragen und einer europaweiten Ausschreibung wurde 2021 das Büro „Sunder-Plassmann Architekten“ in Kappeln mit Entwurf und Planung beauftragt. In der Baulücke neben dem Ostpreußischen Landesmuseum sollte ein Neubau entstehen, der sich in Höhe, Form und Material in die Architektur der denkmalgeschützten Altstadt harmonisch einfügt und trotzdem Modernität ausstrahlt.

Es sollte das erste Museum entstehen, das sich ausschließlich dem Philosophen Immanuel Kant und seinen Ideen widmet. Und eben der Philosophie. Im Zentrum standen daher Ideen und Gedanken und damit die zentrale Frage „Wie stellt man Denken aus?“

An dieses Experiment wagten sich das beauftragte Architektenbüro gemeinsam mit Sunder-Plassmann & Werner Szenografie​​​​‌‍​‍​‍‌‍‌​‍‌‍‍‌‌‍‌‌‍‍‌‌‍‍​‍​‍​‍‍​‍​‍‌​‌‍​‌‌‍‍‌‍‍‌‌‌​‌‍‌​‍‍‌‍‍‌‌‍​‍​‍​‍​​‍​‍‌‍‍​‌​‍‌‍‌‌‌‍‌‍​‍​‍​‍‍​‍​‍​‍‌​‌‌​‌‌‌‌‍‌​‌‍‍‌‌‍​‍‌‍‍‌‌‍‍‌‌​‌‍‌‌‌‍‍‌‌​​‍‌‍‌‌‌‍‌​‌‍‍‌‌‌​​‍‌‍‌‌‍‌‍‌​‌‍‌‌​‌‌​​‌​‍‌‍‌‌‌​‌‍‌‌‌‍‍‌‌​‌‍​‌‌‌​‌‍‍‌‌‍‌‍‍​‍‌‍‍‌‌‍‌​​‌‌‍​‌‌‍​‌​‌‌‌‍​‌‌‍‌‍‌‍​‌​‌‌‍​​‍‌‌‍​‌‍‌​​‌‍​‌​‍‌​‌​​‌​​​​​​‍‌​‍​‌‍​‌​​‍​​​​‍‌‌‍​‌‍​‌‍‌​​​‌‌‍‌‍​‌‍​​‌​‌​‌‌​​‌‍‌‍​‍‌​‍‌‌​‌‍‌‌​​‌‍‌‌​‌‌‍​‌‍‌‍​‌‍​‌‌‌​‌‍‍‌‌‍‌‍‍​‍‌​​‌‍​‌‌‌​‌‍‍​​‌‌‍‍‌‍​‌‌‍‌‌‍‌‌​‌‍​‍‌‍​‌‌​‌‍‌‌‌‌‌‌‌​‍‌‍​​‌​‍‌‌​​‍‌​‌‍‌​‌‌​‌‌‌‌‍‌​‌‍‍‌‌‍​‍‌‍‌‍‍‌‌‍‌​​‌‌‍​‌‌‍​‌​‌‌‌‍​‌‌‍‌‍‌‍​‌​‌‌‍​​‍‌‌‍​‌‍‌​​‌‍​‌​‍‌​‌​​‌​​​​​​‍‌​‍​‌‍​‌​​‍​​​​‍‌‌‍​‌‍​‌‍‌​​​‌‌‍‌‍​‌‍​​‌​‌​‌‌​​‌‍‌‍​‍‌​‍‌‍‌‌​‌‍‌‌​​‌‍‌‌​‌‌‍​‌‍‌‍​‌‍​‌‌‌​‌‍‍‌‌‍‌‍‍​‍‌‍‌​​‌‍​‌‌‌​‌‍‍​​‌‌‍‍‌‍​‌‌‍‌‌‍‌‌​‍‌‍‌​​‌‍‌‌‌​‍‌​‌​​‌‍‌‌‌‍​‌‌​‌‍‍‌‌‌‍‌‍‌‌​‌‌​​‌‌‌‌‍​‍‌‍​‌‍‍‌‌​‌‍‍​‌‍‌‌‌‍‌​​‍​‍‌‌ für Innenräume und Installationen. Auf etwa 500 m² Ausstellungsfläche hat „Kant“ seine Heimat gefunden und Lüneburg zur Kant-Stadt gemacht.

Die "Architektur der Erkenntnis. Foto: J. Patrick Arbeiter

Inspiriert von Kants „Erkenntnistheorie“, die er selber oft mit Architektur verglich, entstand als zentrales, sich über mehrere Geschosse erstreckendes Exponat das Gedankengebäude Kants als “Architektur der Erkenntnis”, die wie eine Wirbelsäule in das Gebäude gesetzt ist. Begriffe wie “Raum und Zeit”, die “12 Kategorien des Denkens”, die menschliche Vernunft und die damit einhergehenden Konzepte von “Moral”, “Freiheit”, “Glaube” und “Würde” haben ihren Platz in der Architektur gefunden.

Das "Kant-Forum". Foto: J. Patrick Arbeiter

Das „Kant-Forum“ als zentraler Versammlungsort im Erdgeschoss lädt über den Museumshof für bis zu 100 Gäste zum Diskurs ein. In den beiden oberen Geschossen wird die Ausstellung über Immanuel Kant, sein Leben und Denken präsentiert. Das verbindende Treppenhaus, gestaltet wie eine Installation, rundet die Architektur ab. Für die Öffentlichkeit unzugänglich befindet sich unter dem Forum ein neues Museumsarchiv.​​​​‌‍​‍​‍‌‍‌​‍‌‍‍‌‌‍‌‌‍‍‌‌‍‍​‍​‍​‍‍​‍​‍‌​‌‍​‌‌‍‍‌‍‍‌‌‌​‌‍‌​‍‍‌‍‍‌‌‍​‍​‍​‍​​‍​‍‌‍‍​‌​‍‌‍‌‌‌‍‌‍​‍​‍​‍‍​‍​‍​‍‌​‌‌​‌‌‌‌‍‌​‌‍‍‌‌‍​‍‌‍‍‌‌‍‍‌‌​‌‍‌‌‌‍‍‌‌​​‍‌‍‌‌‌‍‌​‌‍‍‌‌‌​​‍‌‍‌‌‍‌‍‌​‌‍‌‌​‌‌​​‌​‍‌‍‌‌‌​‌‍‌‌‌‍‍‌‌​‌‍​‌‌‌​‌‍‍‌‌‍‌‍‍​‍‌‍‍‌‌‍‌​​‌‌​​‌​‍‌‍‌‍‍‍‌‍‌‌‌‍​‌‌​​‍‌​​‌​​‍​‍‌​‍‌‌​‌‍‌‌​​‌‍‌‌​‌‌​​‌​‍‌‍‌‍‍‍‌‍‌‌‌‍​‌‌​​‍‌​​‌‍​‌‌‌​‌‍‍​​‌‌‍‌​‌‍‌‌‌​‌‍​‌​‍‌‍‍‌‌​​‌‌​‌‍‍‌‌‍‌‍‍​‍‌‌​‌‌‌​​‍‌‌‌‍‍‌‍‌‌‌‍‌​‍‌‌​​‌​‌​​‍‌‌​​‌​‌​​‍‌‌​​‍​​‍‌‍​‍‌‍​​‌‌​‌​‌‌‍​​‍‌​​​​‌‍​​​‌‍​‌‍​‍​‍‌‌​​‍​​‍​‍‌‌​‌‌‌​‌​​‍‍‌‍​‌‍‍​‌‍‍‌‌‍​‌‍‌​‌​‍‌‍‌‌‌‍‍​‍‌‌​‌‌‌​​‍‌‌‌‍‍‌‍‌‌‌‍‌​‍‌‌​​‌​‌​​‍‌‌​​‌​‌​​‍‌‌​​‍​​‍‌‍​‌‌‍​‌​‍​​​​​‌‍​​‍​​‌​‍‌​​‍​​‍​​‌‍‌‌​‍‌‌​​‍​​‍​‍‌‌​‌‌‌​‌​​‍‍‌‌​‌‍‌‌‌‍​‌‌​​‌‍​‍‌‍​‌‌​‌‍‌‌‌‌‌‌‌​‍‌‍​​‌​‍‌‌​​‍‌​‌‍‌​‌‌​‌‌‌‌‍‌​‌‍‍‌‌‍​‍‌‍‌‍‍‌‌‍‌​​‌‌​​‌​‍‌‍‌‍‍‍‌‍‌‌‌‍​‌‌​​‍‌​​‌​​‍​‍‌​‍‌‍‌‌​‌‍‌‌​​‌‍‌‌​‌‌​​‌​‍‌‍‌‍‍‍‌‍‌‌‌‍​‌‌​​‍‌‍‌​​‌‍​‌‌‌​‌‍‍​​‌‌‍‌​‌‍‌‌‌​‌‍​‌​‍‌‍‍‌‌​​‌‌​‌‍‍‌‌‍‌‍‍​‍‌‌​‌‌‌​​‍‌‌‌‍‍‌‍‌‌‌‍‌​‍‌‌​​‌​‌​​‍‌‌​​‌​‌​​‍‌‌​​‍​​‍‌‍​‍‌‍​​‌‌​‌​‌‌‍​​‍‌​​​​‌‍​​​‌‍​‌‍​‍​‍‌‌​​‍​​‍​‍‌‌​‌‌‌​‌​​‍‍‌‍​‌‍‍​‌‍‍‌‌‍​‌‍‌​‌​‍‌‍‌‌‌‍‍​‍‌‌​‌‌‌​​‍‌‌‌‍‍‌‍‌‌‌‍‌​‍‌‌​​‌​‌​​‍‌‌​​‌​‌​​‍‌‌​​‍​​‍‌‍​‌‌‍​‌​‍​​​​​‌‍​​‍​​‌​‍‌​​‍​​‍​​‌‍‌‌​‍‌‌​​‍​​‍​‍‌‌​‌‌‌​‌​​‍‍‌‌​‌‍‌‌‌‍​‌‌​​‍‌‍‌​​‌‍‌‌‌​‍‌​‌​​‌‍‌‌‌‍​‌‌​‌‍‍‌‌‌‍‌‍‌‌​‌‌​​‌‌‌‌‍​‍‌‍​‌‍‍‌‌​‌‍‍​‌‍‌‌‌‍‌​​‍​‍‌

Foto: J. Patrick Arbeiter

Seit März 2026 ist das Ergebnis nach 5 Jahren Plan- und Bauzeit für die Museumsgäste geöffnet. Der Neubau schließt an das bestehende Museum an und ergänzt sehenswert die Lücke. Aus konservatorischen und klimatischen Gründen ist der Bau fensterarm nach Innen ausgerichtet. Optisch dominiert ein Recyclingziegel, der das Denken lebendig strahlen lässt.

Blick vom "Vernunftkragen" in das 1. OG. Foto: J. Patrick Arbeiter

Wer im 1. Stock steht und nach oben schaut sieht Fragen wie: „Gibt es Freiheit?“ oder „Gibt es Gott?“ und darüber den Sternenhimmel in Anlehnung an Kants Zitat:

„Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir.“​​​​‌‍​‍​‍‌‍‌​‍‌‍‍‌‌‍‌‌‍‍‌‌‍‍​‍​‍​‍‍​‍​‍‌​‌‍​‌‌‍‍‌‍‍‌‌‌​‌‍‌​‍‍‌‍‍‌‌‍​‍​‍​‍​​‍​‍‌‍‍​‌​‍‌‍‌‌‌‍‌‍​‍​‍​‍‍​‍​‍​‍‌​‌‌​‌‌‌‌‍‌​‌‍‍‌‌‍​‍‌‍‍‌‌‍‍‌‌​‌‍‌‌‌‍‍‌‌​​‍‌‍‌‌‌‍‌​‌‍‍‌‌‌​​‍‌‍‌‌‍‌‍‌​‌‍‌‌​‌‌​​‌​‍‌‍‌‌‌​‌‍‌‌‌‍‍‌‌​‌‍​‌‌‌​‌‍‍‌‌‍‌‍‍​‍‌‍‍‌‌‍‌​​‌‌​​‌​‍‌‍‌‍‍‍‌‍‌‌‌‍​‌‌​​‍‌​​‌​​‍​‍‌​‍‌‌​‌‍‌‌​​‌‍‌‌​‌‌​​‌​‍‌‍‌‍‍‍‌‍‌‌‌‍​‌‌​​‍‌​​‌‍​‌‌‌​‌‍‍​​‌‌‍‌​‌‍‌‌‌​‌‍​‌​‍‌‍‍‌‌​​‌‌​‌‍‍‌‌‍‌‍‍​‍‌‌​‌‌‌​​‍‌‌‌‍‍‌‍‌‌‌‍‌​‍‌‌​​‌​‌​​‍‌‌​​‌​‌​​‍‌‌​​‍​​‍‌‍​​‍​​‌​​‌‌​‌‌‍‌‍​​​‌‍​‌​​‌‌‌‍​‌​​‌​‍‌‌​​‍​​‍​‍‌‌​‌‌‌​‌​​‍‍‌‍​‌‍‍​‌‍‍‌‌‍​‌‍‌​‌​‍‌‍‌‌‌‍‍​‍‌‌​‌‌‌​​‍‌‌‌‍‍‌‍‌‌‌‍‌​‍‌‌​​‌​‌​​‍‌‌​​‌​‌​​‍‌‌​​‍​​‍​‌‍​‌​​​‍​‌‌​‌​‌‍‌​​​‍‌‍​​​‍​‌‌‍‌‍​‌‌​‍‌‌​​‍​​‍​‍‌‌​‌‌‌​‌​​‍‍‌‌​‌‍‌‌‌‍​‌‌​​‌‍​‍‌‍​‌‌​‌‍‌‌‌‌‌‌‌​‍‌‍​​‌​‍‌‌​​‍‌​‌‍‌​‌‌​‌‌‌‌‍‌​‌‍‍‌‌‍​‍‌‍‌‍‍‌‌‍‌​​‌‌​​‌​‍‌‍‌‍‍‍‌‍‌‌‌‍​‌‌​​‍‌​​‌​​‍​‍‌​‍‌‍‌‌​‌‍‌‌​​‌‍‌‌​‌‌​​‌​‍‌‍‌‍‍‍‌‍‌‌‌‍​‌‌​​‍‌‍‌​​‌‍​‌‌‌​‌‍‍​​‌‌‍‌​‌‍‌‌‌​‌‍​‌​‍‌‍‍‌‌​​‌‌​‌‍‍‌‌‍‌‍‍​‍‌‌​‌‌‌​​‍‌‌‌‍‍‌‍‌‌‌‍‌​‍‌‌​​‌​‌​​‍‌‌​​‌​‌​​‍‌‌​​‍​​‍‌‍​​‍​​‌​​‌‌​‌‌‍‌‍​​​‌‍​‌​​‌‌‌‍​‌​​‌​‍‌‌​​‍​​‍​‍‌‌​‌‌‌​‌​​‍‍‌‍​‌‍‍​‌‍‍‌‌‍​‌‍‌​‌​‍‌‍‌‌‌‍‍​‍‌‌​‌‌‌​​‍‌‌‌‍‍‌‍‌‌‌‍‌​‍‌‌​​‌​‌​​‍‌‌​​‌​‌​​‍‌‌​​‍​​‍​‌‍​‌​​​‍​‌‌​‌​‌‍‌​​​‍‌‍​​​‍​‌‌‍‌‍​‌‌​‍‌‌​​‍​​‍​‍‌‌​‌‌‌​‌​​‍‍‌‌​‌‍‌‌‌‍​‌‌​​‍‌‍‌​​‌‍‌‌‌​‍‌​‌​​‌‍‌‌‌‍​‌‌​‌‍‍‌‌‌‍‌‍‌‌​‌‌​​‌‌‌‌‍​‍‌‍​‌‍‍‌‌​‌‍‍​‌‍‌‌‌‍‌​​‍

Südseite, Ritterstraße. Foto: J. Patrick Arbeiter