Foto: J. Patrick Arbeiter

Ausstellung

Die Dauerausstellung im Lüneburger Kant-Museum bildet das Denken Kants und seine Philosophie ab und fragt: „Wie stellt man Denken aus?“

Foto: J. Patrick Arbeiter

Sie ist die einzige Dauerausstellung im deutschsprachigen Raum über den bedeutendsten deutschen Aufklärer und bekanntesten Ostpreußen und ihre Inhalte sollen ein breites Publikum ansprechen und zum Selberdenken anregen.
Immanuel Kant steht für eine Revolution des Denkens, für die "kopernikanische Wende" in der Philosophie, für universelle Menschenwürde, für Moral und Ethik (Kategorischer Imperativ), für die Grenzen der Erkenntnis, für Völkerbund und Demokratie, für die Pflicht jedes Menschen, vernünftig und moralisch zu handeln und sich dafür "zu kultivieren und zu zivilisieren." Einige nennen ihn aber auch einen Rassisten, Antisemiten und Frauenfeind.
Kants Ruhm begann bereits zu Lebzeiten, seitdem entdeckte ihn jede Generation neu. Sein Werk bot unterschiedliche Anknüpfungspunkte: Im 19. Jh. war er der Theoretiker der Wissenschaft, heute stehen seine politischen Ideen im Fokus. Auch das Bild von Kant war vielfältig: Kant als Demokrat, als strenger Preuße, als deutsches Genie oder als großer Kosmopolit.

Wer war dieser Mann? Welche seiner Ideen sind heute noch relevant?

Kant ist heute der meistzitierte Philosoph der Moderne. Seine Bedeutung in der Philosophie ist vergleichbar mit der von Mozart oder Beethoven in der Musik. Obwohl seine Schriften oft schwer verständlich sind, wird er seit 250 Jahren weltweit verehrt.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht jedoch das Denken Kants und seine Bedeutung für unsere heutige Welt.
Nicht die Biographie des Königsberger Philosophen, sondern das Denken Kants und seine Bedeutung für unsere heutige Welt steht im Mittelpunkt. Trotzdem stellen einzigartige, bisher nicht gezeigte, Objekte aus Eigenbeständen und der Dauerleihgabe des ehemaligen Museums Stadt Königsberg MSK (Duisburg) als größte erhaltene Kant-Sammlung in einer einprägsamen Inszenierung den Menschen Immanuel Kant vor.
War er wirklich so pedantisch mit durchgetaktetem Tagesablauf, dass angeblich die Königsberger ihre Uhren nach ihm stellen konnten? Wie passt das Bild eines zurückgezogenen Denkers zu den Überlieferungen eines geselligen, witzigen Gesellschafters und gefürchteten Billard-Champions? Kants Ruhm begann bereits zu Lebzeiten, seitdem entdeckte ihn jede Generation neu. Sein Werk bot unterschiedliche Anknüpfungspunkte: Im 19. Jh. war er der Theoretiker der Wissenschaft, heute stehen seine politischen Ideen im Fokus. Auch das Bild von Kant war vielfältig: Kant als Demokrat, als strenger Preuße, als deutsches Genie oder als großer Kosmopolit.

Wie aber macht man abstrakte Gedanken im Museum sinnlich erfahrbar?

Aus dem umfangreichen Werk Kants wurden vor allem gesellschaftlich relevante Themen ausgewählt:
• Was kann ich wissen in Zeiten von Deep Fakes und Fake News?
• Sind wir moralische und freie Menschen?
• Welche Prinzipien können nach Kant einen dauerhaften Frieden begründen?
Inszenierungen und interaktive Stationen schaffen einen direkten Zugang zu seiner Philosophie und animieren ganz nach dem Kantischen Motto zum „Selberdenken". Damit wird das Kant-Museum im Ostpreußische Landesmuseum zum zentralen Erinnerungsort für Immanuel Kant in Deutschland.

Die Kant-Ausstellung erstreckt sich über drei Stockwerke:
Das Erdgeschoss öffnet das Kant-Forum mit einer Multimediainstallation den Blick auf Königsberg des 18. Jahrhunderts und auf Immanuel Kant.
Entlang der umlaufenden Wände werden Objekte zur Kant-Rezeption gezeigt: Grafiken, Medaillen und Briefmarken, aber auch aktuelle Internet-Memes und Merchandise-Artikel. Damit wird sichtbar, dass Kant weltweit als ein Star gilt und das schon seit 250 Jahren.


Kants Leben wird im ersten Teil an vier Tischen behandelt.
• Herkunft, Bildung und Entwicklung
• Das gesellschaftliche Leben
• Leben und arbeiten am Schreibtisch
• Mittelpunkt der Tischinszenierung ist der Esstisch, an dem man in Kants Tischgesellschaft eintauchen und den Gesprächen folgen kann.

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Auszüge aus Kants Denken werden an den drei folgenden, philosophischen Teile mit jeweils einen Kerngedanken Kants betrachtet:
• Die „Kritik der reinen Vernunft“,
• Der „kategorischen Imperativ“
• Kants Schrift „Zum ewigen Frieden“.
Diese Kerngedanken werden dabei mit aktuellen Themen verknüpft:
• „Was ist Wissenschaft?“
• „Sind wir frei?“
• „Menschenrechte“.

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„Philosophieskulptur“
Die geschossübergreifende „Philosophieskulptur“ ist unser Weg Philosophie ins Museum zu bringen. Sie verbindet die verschiedenen Themenbereiche der Ausstellung und macht Denken dreidimensional erfahrbar.
Kant verwendete selbst gerne Metaphern aus der Architektur, um die systematische
Einheit der Philosophie zu betonen. Die Ausstellung überträgt diesen Gedanken assoziativ in eine vertikale, über alle Geschosse reichende Skulptur.
Die Skulptur ist in mehrere Teile gegliedert und orientiert sich dabei an Kants Theorie der menschlichen Erkenntnis.
Eine zentrale Achse verbindet das Thema „Erkenntnis“ im OG 1 mit der auf Vernunft basierenden Moralphilosophie im OG 2. Ein Milchglas im Boden schafft einen Bezug zum Kant-Forum im EG. Nach oben hin schließt ein Sternenhimmel die Skulptur ab, eine Anspielung auf ein berühmtes Kant-Zitat. Von der „Philosophieskulptur“ ausgehend erfolgt die eigentliche inhaltliche Erklärung der verschiedenen Einzelthemen in Wandnischen.
Von der „Philosophieskulptur“ ausgehend erfolgt die eigentliche inhaltliche Erklärung der verschiedenen eingebauten Einzelthemen in Wandnischen. Sie bestehen jeweils aus zwei Seitenwänden und einer frontalen Hauptseite. In dieser Art werden die meisten Ausstellungsinhalte präsentiert. Einzelne Objekte bilden anschauliche Verständnisanker. Die Gestaltung ist individuell auf das jeweilige Thema zugeschnitten.

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Leitend ist die Frage, was Kant und die Aufklärung uns heute zu sagen haben. Häufig wird daher eine Dreiteilung vorgenommen:
• Was war vor der Aufklärung?
• Was haben Kant und die Aufklärung beigetragen und verändert?
• Wie sieht es heute aus?
Schlüssig aufgebaut werden Kants Gedanken aufbereitet, eingeordnet und anschaulich dargestellt.


Seien Sie gespannt. Kant forderte: "Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen" und der "selbstverschuldeten Unmündigkeit" zu entfliehen. Was heißt das aber und wie kann das gehen? Mehr dazu in der Lüneburger Ausstellung, die Anregungen zum Selberdenken in einer immer komplexer werdenden Welt geben möchte.

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