Wolfskinder - verlassen zwischen Ostpreußen und Litauen

Zu Gast in:

Haus der Heimat. Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa
7.9.2021 – 23.9.2021
Als die Rote Armee im Frühjahr 1945 Ostpreußen einnahm, hatte infolge der nationalsozialistischen „Evakuierung“ ein Großteil der deutschen Bevölkerung die Provinz verlassen. Die humanitäre Lage der im nunmehr sowjetischen Norden Ostpreußens verbliebenen oder dorthin zurückgekehrten Deutschen spitzte sich nach Kriegsende zu, insbesondere im „Hungerwinter“ 1946/47. Viele Kinder mussten mit ansehen, wie ihre Geschwister verhungerten, die Großeltern an Schwäche starben oder die Mutter einer Epidemie erlag. Manche kamen in sowjetische Waisenhäuser.

Andere Kinder versuchten, auf sich allein gestellt, in der freien Natur des Baltikums gegen Hunger, Kälte und Willkür der sowjetischen Behörden zu bestehen. Einige machten sich auf den Weg nach Litauen und fanden Unterschlupf bei Bauern, die sie heimlich aufnahmen und notdürftig versorgten. Im Gegenzug arbeiteten die Kinder auf den Höfen. Eine Schulbildung blieb den meisten verwehrt. Ein Großteil kann bis heute weder lesen noch schreiben. In der Regel erhielten die Kinder eine neue Identität und litauische Namen, um ihre Herkunft zu verschleiern. So lebten sie Jahrzehnte in Litauen, ohne dass ihr Schicksal einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde. Seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 veränderte sich auch das Leben der Wolfskinder, wie sie heute im deutschen Sprachraum genannt werden.

Die Wanderausstellung „Wolfskinder – Verlassen zwischen Ostpreußen und Litauen“ dokumentiert in nie zuvor gezeigten Bildern und Textzeugnissen den Weg der Wolfskinder bis heute. Die Ausstellung basiert auf einem Oral-History-Projekt der Fotografin Claudia Heinermann und der Journalistin Sonya Winterberg. Für diese eindrucksvolle Dokumentation reisten sie über mehrere Jahre nach Litauen, um dort lebende Wolfskinder zu besuchen. Mit ihnen sprachen sie über die Erlebnisse der Kindheit, die Flucht und das Leben hinter dem „Eisernen Vorhang“ – ohne Wurzeln und voller Sehnsucht nach Familie und Verwandten. Ihre bewegenden Schicksale werden so dem Vergessen entrissen und öffnen sich zu einem vielschichtigen Panorama der Zeitgeschichte.

Eine Ausstellung von Claudia Heinermann und Sonya Winterberg in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa, Potsdam, und dem Ostpreußischen Landesmuseum, Lüneburg