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Ferdinand Schulz am Tag seines Dauerflugrekordes am 11. Mai 1924

Ferdinand Schulz und der Segelflug im frühen Ost- und Westpreußen in Marienburg

Zu Gast in:

Ferdinand Schulz wurde am 18. Dezember 1892 in Pissau (1910 umbenannt in Waldensee), Kr. Rößel, als Sohn eines Volksschullehrers und einer Bauerntochter geboren. Er war das älteste von 12 Kindern und zeigte bereits als Kind ein intensives Interesse an Technik und eine fundierte, technische Begabung. Nach dem Besuch der Präparandenanstalt in Rößel wurde Schulz von 1911 bis 1914 auf dem Lehrerseminar in Thorn zum Volksschullehrer ausgebildet. Dort wurde der Aufenthalt einer Heeresflugstaffel beim Herbstmanöver 1911 zum prägenden Erlebnis für ihn. Zum 1. April 1914 erhielt er seine Einberufung zum Militärdienst, den er als einjährig Freiwilliger beim Infanterieregiment 128 in Danzig-Langfuhr ableistete. In den Kämpfen bei Tannenberg 1914 und an der Westfront wurde Schulz verwundet. 1917 wurde er zum Flieger ausgebildet und noch im selben Jahr als Aufklärungsflieger in Frankreich eingesetzt.

Mit der Überführung seiner Staffel nach Frankfurt/Oder am 11. November 1918 endete für Schulz der 1. Weltkrieg. Nach kurzfristigen Tätigkeiten im Schuldienst in Jehlenz, Kr. Tuchel, Waldensee und Allenstein wurde ihm zum 1. Juni 1923 die Planstelle des 2. Lehrers an der katholischen Volksschule in Neumark, Kr. Stuhm, übertragen, die er bis zu seiner Versetzung nach Marienburg am 1. Januar 1929 innehatte. Der Motorflug war Deutschland nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages untersagt worden, doch Ferdinand Schulz hatte im Fliegen seine Bestimmung erkannt. Deshalb konstruierte er ab 1920 in seiner Freizeit Fluggeräte, die ihn ohne Motorkraft in die Luft heben konnten. Seine ersten Konstruktionen waren Hängegleiter nach dem Vorbild Otto Lilienthals (1848-1896). Bereits 1921 nahm er am 2. Rhön-Wettbewerb der Segelfl ieger auf der Wasserkuppe teil, durfte aber nicht offi ziell starten, da die Technische Kommission sein Flugzeug als zu unsicher vom Wettbewerb ausnahm. In den Folgejahren war er maßgeblich an der Förderung des Segelflugs in Ostpreußen beteiligt. Er “entdeckte” das Segelfl uggelände in Rossitten, etablierte dort die Küstensegelflug-Wettbewerbe und die Segelfliegerschule, auch förderte er den Aufbau des Marienburger Vereins. Zumindest die ab 1927 geflogenen Leistungen wurden als Weltrekorde offiziell anerkannt, nachdemDeutschland 1926 in die Internationale Luftfahrt-Vereinigung (FAI) wieder aufgenommen worden war.

Die Tafelausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums wurde vom 17. Juni bis 31. Juli 2021 in Marienburg (Malbork: Kultur- und Bildungszentrum der Stadt) gezeigt. Nach der Laufzeit in Marienburg soll die Ausstellung gezeigt werden in:

Elbing (Elbląg)

Marienwerder (Kwidzyn)

Stuhm (Sztum) und

Heilsberg (Lidzbark Warminski)